10. Februar 2019 / 15:02
Autor:  Uwe Hegewald

Feuerwehrfrauen lassen die Quote rasant nach oben schnellen

Sechs Gollmitzerinnen dabei

Gemeinsame Truppmann/Truppfrau-Ausbildung von Calau und Altdöbern zeigt neuen Trend.

„Das hat es in der Calauer Feuerwehrgeschichte so noch nie gegeben. Ein absolutes Novum“, stellt Frank Fiedermann klar. Was den Kreisausbilder aus Zinnitz so ins Schwärmen versetzt, ist die Ausrichtung der Truppmann/-frau-Ausbildung, die am Samstag mit den mündlichen und praktischen Prüfungen ihren Abschluss fand. Seit Ende Oktober absolvierten 24 Teilnehmer aus Calau (15) und dem Amt Altdöbern (9) an sieben Wochenenden insgesamt 68 Ausbildungsstunden.

„Mit über einem Drittel Frauen haben wir eine weibliche Teilnehmerquote erreicht, die es so noch nie gegeben hat“, so Fiedermann. Und auch das ist ebenso einmalig wie vorbildlich: Sechs der insgesamt neun lehrgangsteilnehmenden Feuerwehrfrauen kommen aus dem Calauer Ortsteil Gollmitz.

Die Frauen stellen wohl die Einsatzbereitschaft sicher, weil die Männer zu oft und zu lange im Gasthaus „Zur Krone“ abhängen, mutmaßt der RUNDSCHAU-Reporter und erntet massiven Widerspruch. „Wir machen das aus Überzeugung. Und weil Hilfsbereitschaft, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Pflichtbewusstsein keine Frage des Geschlechts ist“, donnert es ihm von Silvana, Mandy, Josie, Jaqueline und Anna-Maria entgegen.

„Die Idee ist bei einem Dorffest entstanden, auf Anregung unserer Ortswehrführerin Mareen Glinzig, die auch unsere Trainerin ist“, erklärt Doreen Fiedler. Stolz schwingt in den Ausführungen der Gollmitzer Feuerwehrfrauen mit. Nach Kathleen Rohmann, die in der Calauer Ortswehr Regie führt, ist Mareen Glinzig die zweite Ortswehrführerin.

„Sie scheint einen besonderen Draht zu den Leuten im Dorf zu haben“, sagt Frank Fiedermann, der an der Seite von Ausbilder Marco Pötsch die praktische Prüfung abnimmt. Vier Prüflinge müssen beispielsweise eine Einsatzstelle korrekt ausleuchten. Aber was kann man dabei schon falsch machen?

„Alles“, so Frank Fiedermann, der gleich eine ganze Reihe von möglichen Fehlern aufzählt: „Ist das geschlossene, truppweise Vorgehen erkennbar? Die richtige Handhabung und der sorgfältige Umgang mit der Technik? Wie stellt sich das taktische Vorgehen dar? Wird auf das wichtige Anlegen der Grundausstattung geachtet? Auf das komplette Abrollen des Stromkabels von der Trommel? Und, und, und.“

Bei der Ausbildungsgruppe VI loben Fiedermann und Pötsch die deutlichen Ansagen durch Helmut Voigt. Auch er kommt aus Gollmitz, wo es in Sachen Feuerwehrbelange derzeit besonders gut funktioniert. Das wird auch am Kameraden Voigt deutlich, einer der beiden ältesten Kursteilnehmer. „Ich habe die Truppmann-Ausbildung schon einmal absolviert. Das ist inzwischen aber 35 Jahre her“, begründet der über 50-Jährige seine Teilnahme.

In mehr als drei Jahrzehnten habe sich unwahrscheinlich viel verändert. „Ich will mein Wissen auffrischen und unserer Ortswehr mit diesem zur Verfügung stehen“, so Voigt.

In den Ohren des Ausbilder-Quartetts, zu dem noch Fred-Hagen Karzenburg und Robert Abt (Altdöbern) zählten, gehen solche Aussagen sprichwörtlich runter wie Öl. „Wir sind auf jeden Mann und auf jede Frau angewiesen. Insbesondere in den Spitzenzeiten“, betont Frank Fiedermann. „Und wir funktionieren nur im Verbund mit den Ortswehren und den Feuerwehren der Nachbarkommunen“, fügt Marco Pötsch hinzu.

Auch deshalb werde es jährlich Truppmann/-frau-Ausbildungen geben, die den Grundstein für alle nachfolgenden Ausbildungen legen. Gerne mit der Frauenpower wie beim nun abgeschlossenen Lehrgang, den die Ausbilder aufgrund der „ungewöhnlichen Disziplin“ als „Vorzeige-Lehrgang“ einstufen. Die Gollmitzer Frauen hatten das bereits prophezeit und können das nur bestätigen: „Die Männer müssen sich zusammenreißen“, schallte es Samstag aus dem Sextett.

Quelle: lr-online.de

Foto: Uwe Hegewald