03. März 2019 / 19:03
Autor:  Uwe Hegewald

Starke Bilanz und kontroverse Diskussionen

Emotionen prägen die Delegiertenkonferenz des Kreisfeuerwehrverbandes OSL in Bronkow. Feuerwehrleute streiten mit Präsident Schippel.

154 Feuerwehrleuten aus dem Landkreis OSL ist die Chance eingeräumt worden, der jährlichen Delegiertenkonferenz des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) beizuwohnen. Dass am Samstagvormittag nur 78 von ihnen den Weg nach Bronkow gefunden haben, sollte sich als Gratwanderung erweisen. „Zur Beschlussfähigkeit ist eine 50-prozentige Teilnahme verpflichtend. Ein Delegierter weniger und wir hätten die Versammlung neu einberufen müssen“, haderte Versammlungsleiter André Bilz. Die Säumigen dürften es bereut haben, wird das diesjährige Treffen doch als eines der leidenschaftlichsten in der KFV-Konferenzgeschichte eingehen.

Erstmals in der Geschichte des KFV, der in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen feiert, ist der Rechenschaftsbericht von Sebastian Lehmann verlesen worden. Seit einem Jahr bildet der KFV-Vorsitzende mit frischen aber auch bewährten Leuten die neue Verbandsspitze. „Mit der Wahl hat ein großer Umbruch stattgefunden“, rief Lehmann in Erinnerung. Umso zufriedener sei der Gahlener, dass ihm Leute aus der vorangegangen Führungsriege, um den Ehrenvorsitzenden Manfred Mrose, unterstützend zu Seite gestanden haben. Rekorde begleiteten das Jahr eins des neuen KFV-Vorstandes: mit Ereignissen wie den Großbränden in Treuenbrietzen und in der Lieberoser Heide, Sturmtief Friederike und dem doppelten Reifenlager-Brand in Senftenberg mit apokalyptischen Bildern.

„Rauchschwaden dieser Dimension kennen wir sonst nur von Hollywood-Streifen“, befand Landrat Siegurd Heinze. In seinem Grußwort „fütterte“ er die Delegierten mit abschließenden Zahlen des zurückliegenden Jahres. So seien Feuerwehrleute 2018 kreisweit zu 864 Einsätzen gerufen worden – darunter 161 Waldbrände, viermal mehr als 2017 (41), 26 Kfz-Brände und 27 Wohnungsbrände, bei denen sieben Personen gerettet werden konnten. „Dank eures unerschrockenen Einsatzes haben euch diese ihr Leben und ihre Gesundheit zu verdanken“, so Heinze. Nach 163 Verkehrsunfällen konnten 107 Personen gerettet werden. Acht Menschen kamen ums Leben.

Wie Kreisbrandmeister Tobias Pelzer würdigte auch Siegurd Heinze die Baumaßnahmen am Feuerwehr- und Katastrophenschutz Technischen Zentrum (FKTZ) in Großräschen. „Die Investitionssumme von 3,3 Millionen Euro ist vom Kreistag einstimmig bestätigt worden. Einstimmig! Das kommt sehr selten vor“, so der Landrat.

Was Einstimmigkeit anbetrifft, sind Kreisfeuerwehrverband und Landesfeuerwehrverband an einigen Stellen weit voneinander entfernt. Das neue Prämiengesetz für Freiwillige Feuerwehren und die Überlegungen, Feuerwehrleute mit neuen Uniformen auszustatten, sorgten zuletzt für ausreichend Diskussionsbedarf. Kreisjugend-Feuerwehrwart Fred-Hagen Karzenburg (Calau) kritisierte die Nichtberücksichtigung von Dienstzeiten in den Nachwuchsfeuerwehren. „Gebt den 18-Jährigen die Medaille für treue Dienste, wenn sie zehn Mitgliedsjahre nachweisen können“, appellierte er. Zu den Delegierten, die Karzenburg zur Seite sprangen, zählte auch Rico Angermann (Hindenberg): „Eine Zugehörigkeit, die erst mit dem Eintritt in die Einsatzabteilung zählt, ist den Kindern und Eltern nicht vermittelbar“, mahnte der Lübbenauer Stadtjugendfeuerwehrwart.

Dreimal trat Werner-Siegwart Schippel während der Sitzung ans Rednerpult, um seine Sicht auf die Dinge zu erläutern. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes räumt eine „ideelle Anerkennung“ für Zeiten in Jugendfeuerwehren ein, materielle Zuwendungen seien jedoch nicht leistbar. Was die Uniform-Thematik betrifft, sei noch nichts in Stein gemeißelt. „Über 50 Prozent der Landesfeuerwehrverbände haben das bereits umgesetzt oder sind dabei“, erklärte er. Der Landesregierung werde er den Vorschlag für eine 80- bis 90-prozentige Förderung unterbreiten sowie die Streckung des Vorhabens über mehrere Jahre. Bezüglich des Prämiengesetzes schließt er Stolpersteine nicht aus. „Man muss auch mal beginnen und eventuell nachjustieren. Sonst laufen wir Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen“, mahnte Schippel.

Quelle: lr-online.de

Fotos: Uwe Hegewald + Marco Kleinichen